HYPERVENTILATION UND DAS BUTEYKO ATEMSYSTEM

Aktualisiert: Apr 30

Das Buteyko Atemsystem wurde in den 1950en Jahren von Prof. Konstantin Buteyko entwickelt. Das System hilft sowohl Erkrankungen, Allergien und andere gesundheitliche Beschwerden zu regulieren, als auch die sportliche Leistung und Ausdauer zu erhöhen. Dies wird durch die Prävention von chronischer Hyperventilation und dem regeln der CO2 Konzentration im Körper erreicht.


Was ist Hyperventilation?

Atmen regelt den Säuregehalt des Blutes durch die kontrollierte Abgabe von CO2. Unter normalen Atembedingungen binden die roten Blutkörperchen genau so viel Sauerstoff, wie sie können. Wenn man jedoch hyperventiliert (d. h. mehr atmet, als man eigentlich müsste), dann erhält man dadurch nicht noch mehr Sauerstoff. Übermäßiges Atmen führt dann zu einem geringeren Blutgehalt an Kohlendioxid. Da chemische Produkte, die der Körper erzeugt und manche körperlichen Funktionen vom Kohlendioxid abhängen, führt ein CO2-Mangel zu Gesundheitsstörungen sowie Hoher Blutdruck, Asthma, Apnoe, Schnarchen, mundhygienische Probleme, Konzentrationsstörungen und niedrigere Leistungen beim Sport.


Woher weiß ich, ob ich Hyperventiliere?

  • Bist du müder als du sein solltest? (z.B. du hast eigentlich genug geschlafen, aber du bist trotzdem Müde)

  • Atmest du bei deinen täglichen Aktivitäten durch den Mund?

  • Atmest du durch den Mund beim Schlafen? Ist dein Mund beim aufstehen trocken?

  • Schnarchst du oder hast du Schlafapnoe?

  • Kann man deine Atmung sehen oder hören, wenn du keinen Sport treibst (wenn man dich ca. 1 Minute anschaut oder zuhört)?

  • Atmest du aus der Brust oder dem Bauch heraus?

  • Seufzt du oft?

  • Hast du Beschwerden sowie eine blockierte Nase, Verengung der Luftröhre, Ermüdung oder Schwindel?

Eine oder mehrere positive Antworten zu diesen Fragen ist ein Anzeichen von chronischer Hyperventilation.

Der Atemprozess

Die Luft, die wir atmen, kommt im Körper durch die Luftröhre rein, dann zu den Bronchien und zu den Alveolen. Durch Diffusion werden die O2 Moleküle in den Kapillaren absorbiert, und mit Hämoglobin verbunden. Wenn das O2 und Hämoglobin die Zellen erreichen, werden die O2 Moleküle vom Hämoglobin getrennt und in der Zelle durch die Wirkung von verschiedenen Enzymen eingebracht. Die Zelle benutzt dann die O2 Moleküle um Energie zu produzieren. Ein Abfallprodukt dieses Prozesses ist CO2. Das CO2 wird vom Körper durchs Ausatmen ausgeschieden. Je mehr man atmet, desto mehr O2 wird in den Körper gebracht und desto mehr CO2 vom Körper ausgeschieden.


Warum ist das schlecht? Brauchen wir nicht so viel O2 wie möglich?

Eigentlich ja - je mehr O2 die Zellen erreicht, desto mehr Energie wird produziert. Wir werden uns besser und energetischer fühlen, unser Körper wird besser funktionieren und wir werden fitter und gesünder. Allerdings bedeutet mehr atmen nicht mehr O2 in den Zellen.


Bohr Effect in Buteyko Atemsystem https://www.sciencedirect.com/topics/neuroscience/bohr-effect
Bohr Effect

Der Bohr Effekt zeigt, dass Vorhandensein des CO2 und seine Konzentration die Verbindung zwischen O2 und Hämoglobin beeinflussen. Weniger CO2 im Blut bedeutet, dass die Verbindung zwischen O2 und Hämoglobin stärker wird. Eine starke O2-Hämoglobin Verbindung erschwert die Trennung von O2 Moleküle vom Hämoglobin und folglich können diese nicht von den Zellen aufgenommen werden. Anders ausgedrückt:

Je weniger CO2 im Blut, desto weniger O2 in den Zellen.

Was kann Hyperventilation verursachen?

Es gibt verschiedene Gründe, entweder körperliche oder psychische:

Körperliche Gründe: Erkrankungen, Verletzungen, sitzender Lebensstil, hoher Blutdruck usw.

Psychische Gründe: Ursprünglich hatte der Mensch wenig Gründe für dauerhaften Stress. Man brauchte sich nur ums Essen/Jagen kümmern und musste aufpassen nicht gefressen zu werden. Es gab kein Geld und daher keine Schulden, keine Deadlines bei der Arbeit, und kein Chef, der Stress machte. Stress gab es nur, wenn man in Gefahr vor Raubtieren war. Deswegen handelt unser Gehirn Stress ab, als ob es eine körperliche Gefahr wäre - hoher Blutdruck, hoher Herzschlag, Kortisol Aussonderung usw. All diese Sachen verbrauchen Energie und O2, und lassen uns schneller und/oder mehr atmen.

Einfluss der Hyperventilation

Versuche 1 Minute lang so viel und so schnell wie du kannst zu atmen.

Jetzt markiere welche Symptome du gespürt hast:

  • Schwindel

  • Konzentrationsprobleme

  • Taubheitsgefühl in den Extremitäten

  • Kälte in den Extremitäten

  • Hoher Herzschlag

  • Übelkeit

  • Atemschwierigkeit

Was du gespürt hast waren die akuten Symptome der Hyperventilation. Jetzt überleg dir was dies verursachen kann, wenn man langfristig hyperventiliert. Hier sind ein paar Beispiele:

  • Konzentrationsschwierigkeiten, ähnlich ADHS

  • Kreislauf Erkrankungen, sowie chronisch hoher Blutdruck, Verengung der Blutgefäße usw.

  • Bei Menschen mit einer Affinität zu Asthma: Verschlechterte Symptome, höhere Dosierung von Medikamenten, niedrigere Lebensqualität.

  • Angstanfälle, affektive Störungen, Hormonelle Probleme

  • Stoffwechsel Probleme, Schwierigkeiten abzunehmen

  • Erzeugung/Verschlechterung von Chronische Krankheiten

  • Das Blut wird Alkalihaltig

Einfluss der Hyperventilation über Sportleistung

Wenn man sagt “ich bin unfit” bedeutet das - ich bekomme nicht genug O2 um weiterzumachen. Es ist nicht, dass man nicht stark genug ist oder die Übung nicht kann. Er hat nicht genug O2 in seinen Zellen.

Die Begabung unseres Körpers O2 zu transportieren und zu verbrauchen heißt Maximal Oxygen Uptake oder VO2 Max genannt. Wie schon erklärt, das wird von der körperlichen Toleranz von CO2 (CO2 Konzentration) entschieden. Höhere Toleranz = höhere VO2 Max.

Man kann nicht erwarten, im Ruhemodus schlecht aber während dem Sport richtig zu atmen. Wenn wir es im Ruhezustand nicht können, wird es während dem Sport nur schlimmer.

Was regelt unsere Atmung?

Es gibt 2 Organe in unserem Gehirn: Pons und Medulla, die das Tempo, Volumen und Form unserer Atmung regeln. Sie kontrollieren die Konzentration von CO2 und das pH Niveau im Blut und entscheiden wie viel, wie oft und ob wir aus dem Bauch oder der Brust atmen.

Die Empfindlichkeit dieser Organe kann geändert werden! Langfristige (mehr als paar Stunden bis 1-2 Tage) Hyperventilation macht sie Empfindlicher, und langfristige (und bewusste) HYPO-ventilation macht sie toleranter von CO2.

Wie empfindlich bin ich?

Das kannst du selbst herausfinden:

  1. Setz dich ca. 5 Minuten ruhig hin und lass deinen Herzschlag runterkommen.

  2. Atme ganz normal ein und dann durch die Nase ausatmen. Mach mit den Fingern deine Nase und deinen Mund zu, sodass keine Luft rein oder raus kommt.

  3. Schau wie viele Sekunden es dauert, bis eines der folgenden Signale gespürt wird:

unbeabsichtigte Bewegung des Zwerchfells, mangelnde Luft (Lufthunger).

  1. Sobald du eins spürst, wieder normal atmen.



PASS AUF! Die Idee ist nicht durchzuhalten, das ist kein Wettbewerb. Die Frage ist wie lange dauert es, bis dein Körper auf die erhöhte CO2 Konzentration reagiert.

Hast du 10 Sekunden Oder weniger geschafft? Dann bist du wahrscheinlich sehr unfit oder hast körperliche Beschwerden. Erst zum Arzt gehen.

Hast du 10-30 Sekunden geschafft? Du bist wahrscheinlich nicht so fit, und vielleicht hast du irgendein gesundheitliches Problem, obwohl es dich im Alltag nicht so ganz stört.

Hast du 30-40 Sek. Geschafft? Nicht schlecht. Du bist ziemlich fit und ziemlich gesund. Du atmest aber immernoch zu viel und es könnte dich vielleicht nochmal heimsuchen.

Hast du 40+ Sekunden geschafft? YEAY! Du bist wahrscheinlich fit und einigermaßen gesund. Jetzt kannst du anfangen deine Leistung zu optimieren.

Vorteile des Buteyko Atemsystems

Das Buteykosystem wirkt ziemlich schnell, manchmal innerhalb von ein paar Tagen. Aber das System hat auch wichtige und langfristige Vorteile.

Kurzfristig: Stress reduzieren, besseren und erholsameren Schlaf, Allergien reduzieren, Blutdruck und Hormone ausgleichen, Ausdauer verbessern.

Langfristig: Verbesserung der Mialinizierung der Nerven, was die Konzentration und Reaktionszeit verbessert, größerer Energiereserven und kürzere Erholungszeiten dank besserem Stoffwechsel. Effizienteres Immunsystem. Für Menschen mit chronische Krankheiten: Verbesserung der Symptome, manchmal werden keine oder weniger Medikamenten gebraucht. Bessere Mundhygiene dank Nasenatmung (und nicht Mundatmung)

Was Zeigt die Forschung?

Effect of two breathing exercises (Buteyko and pranayama) in asthma: a randomised controlled trial, Cooper et. Al (2003), Thorax. 2003 Aug;58(8):674-9. “…The Buteyko breathing technique can improve symptoms and reduce bronchodilator use but does not appear to change bronchial responsiveness or lung function in patients with asthma.”

A randomised controlled trial of the Buteyko technique as an adjunct to conventional management of asthma- Cowie et al (2008) Respir Med. 2008 May;102(5):726-32. “…six months after completion of the interventions, a large majority of subjects in each group displayed control of their asthma with the additional benefit of reduction in inhaled corticosteroid use in the Buteyko group”.

Wie melde ich mich zu einem Kurs an?

Die Kurse können entweder 1:1 über Video Chat gemacht werden, oder in kleinen Gruppen, je nach Bedarf. Melde dich bei info@impact-gruppe.de

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